Safer Internet Day

Heute morgen erschien auf der Mailingliste der Wiesbader Piraten ein schöner Beitrag zu einem Kurier Artikel. Dort hatte der Jugendmedienschutzbeauftragte der Gutenbergschule in Wiesbaden etwas zum Safer Internet Day gesagt. Die Mail auf der Liste brachte den ganzen 3 seitigen Interviewtext gut auf den Punkt daher möchte ich ihn nicht weiter verheimlichen:


Der Jugendmedienschutzbeauftragte einer Wiesbadener Schule
informiert heute in einer Tageszeitung zum Thema Internet:

http://www.wiesbadener-kurier.de/nachrichten/vermischtes/10198976.htm

und hier auch schon vor einem Jahr:

http://www.liebigschule-giessen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=633:mehr-als-nur-technisches-verstaendnis&catid=73:schulleben-und-schueler&Itemid=165

Was sagt der Autor in Artikel des Wiesbadener Kuriers?

1. Viele Web-Inhalte bedrohen Kinder und Jugendlich extrem und können die Entwicklung ganz massiv beeinflussen.
2. Durch Pornografie und Gewaltvideos befinden sich Kinder und Jugendliche in einer nicht zu unterschätzenden Gefahr.
3. Viel zu wenige Eltern helfen aufgrund eigener Unkenntnis der Gefahren ihren Kindern mit dem Medium vernünftig umzugehen.
4. Selbst in Familien, in denen der Netzzugang regelementiert und kontrolliert wird, kommen Kinder problemlos an gefährliche Inhalte heran, indem sie Freunde besuchen.
5. In Nordrhein-Westfalen kannte jeder befragte Jugendliche einer Studie Sodomie-Videos.
6. Eltern werden mit Nachdruck zu Infoabenden eingeladen.
7. Dabei fallen viele Eltern buchstäblich aus den Wolken.
8.
Computer gehören nicht in das Kinderzimmer.
9. … oder es gehört zumindest eine Schutzsoftware (Filter) installiert.
10. Der Autor ist sich sicher, daß jeder seine Achtklässler schon im Internet pornografische Filme gesehen hat.
11. Das in Pornofilmen vermittelte Bild des Umgangs zwischen Männern und Frauen entspricht nicht der Realität.
12. Pornofilme sind als Gebrauchsanweisung für das erste Mal völlig untauglich.
13. Zahlreiche Jungen und junge Männer tragen ein erschreckendes Frauenbild in sich.
14. Solche Gespräche sind für Eltern natürlich nicht ganz einfach.
15. Mit einem Rechner im Kinderzimmer erweist man seinen Kindern einen Bärendienst.
16. Kein Vater würde wohl seinen minderjährigen Sohn in eine Frei-ab-18 Abteilung einer Videothek mitnehmen.
17. Im Internet finden sich Clips brutalster Art, von Vergewaltigung bis zur Tötung vor laufender Kamera, häufig auch per Handy verbreitet.
18. Das Medium Internet steckt voller Gefahren für Heranwachsene, deren Gehirne sich noch entwickeln.
19. Man kann einen Internetrouter so programmieren, daß ein Kind z.B. zwischen 21 und 7 Uhr keinen Zugang ins Internet bekommt.
20. Soziale Netzwerke zwingen aus gruppendynamischen Gründen dazu, möglichst immer online zu sein.
21. Der Autor weiß von vielen, das sich nach dem Aufwachen als erstes online gehen.
22. Nach aktuellen Schätzungen gibt es in Deutschland bis zu drei Millionen Onlinesüchtige.
23. Mangels anderer Erklärungsansätze, geraten männliche Schüler aufgrund erhöhtem und intensierem Medienkomsum gegenüber SchülerInnen ins Hintertreffen.
24. Man sieht es auch auf Klassenfahrten: Während Mädchen dicke Wälzer lesen spielen Jungen überwiegend mit mobilen Spielkonsolen.
25. Eltern wissen nicht um die Möglichkeiten, die Handys bieten, bspw. per Tastendruck kostenlosen Zugang zu Facebook zu bekommen.
26. Sehr viele Jugendliche bekommen trotz der Gefahren dennoch mit oder ohne Hilfe die Kurve.
27. Trotz aller dunklen Ecken ist das Internet ein großartiges und faszinierendes Medium.

Was schlußfolgert der Leser aus dem Text?

1. Die Jugend wird durch die Gefahren des Internets korrumpiert. (1, 2, 5, 10, 17, 18, 20, 21, 22)
2. Unsere Gesellschaft ist bedroht. (11, 12, 13, 23, 24)
3. Eltern sind keine Hilfe (3, 4, 6, 7, 14, 15, 25)
4. Jemand muss handeln. (8, 9, 19)

Fazit

Wieder einmal ist die Gesellschaft bedroht.
In jeder Dekade gibt es scheinbar neue Gefahren, der die Jugend und unsere Gesellschafts ausgesetzt sind.

Im Englischen gibt es dafür einen schönen Fachbegriff, den es so im Deutschen direkt nicht gibt: „moral panic“.
Es gibt auch einen lesenswerten englischen Wikipedia-Artikel dazu: http://en.wikipedia.org/wiki/Moral_panic (leider keinen in der deutschen Wikipedia)

Beispiele:
Angst vor Niedergang der Gesellschaft durch die Bedrohung Kommunisten (in den 50ern in den USA – McCarthy-Ära)
Angst vor Niedergang der Gesellschaft durch die Bedrohung durch Drogen (vor allem in den 70ern)
Angst vor Niedergang der Gesellschaft durch die Bedrohung durch Kriminalität (meistens ab den 70ern)
Angst vor Niedergang der Gesellschaft durch die Bedrohung durch Pornografie (in den 70ern – Alice Schwarzer)
Angst vor Niedergang der Gesellschaft durch die Bedrohung durch Islamismus (ganz aktuell – Thilo Sarrazin)
Angst vor Niedergang der Gesellschaft durch Gewalt in Videospielen (auch ganz aktuell)
(die Liste läßt sich beliebig fortsetzen)

Eng verknüpft ist der Begriff Moral Panic auch mit dem Wort Angst, das, irgendwie wenig überraschend, als deutsches Wort auch in die englische Sprache eingegangen ist.
(Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Angst)

Angst ist auch der rote Faden der Zeitungsartikels, hauptsächlich zusammen mit Vermutungen (3, 4, 20, …) , einzelnen Individualerfahrungen (24) und Schätzungen (22).

Solche diffusen Ängste zusammen mit Unwissen sind natürlich eine Steilvorlage nach der einzigen, wahren Lösung aller Probleme:
Zensur, Einschränkung und Kontrolle von Meinungen, Medien und Internet.

oder wie hat Thilo Sarrazin geschrieben: „Deutschland schafft sich ab“
oder wie würde Hausmeister Krause sagen: „Das ganze drekkelische Zeusch aus dem Internet“

Wirklich helfen kann meiner Meinung nach nur ein eigenes Schulfach Medienkompetenz und Umgang mit Medien. Daher ist das Land Hessen gefordert.

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