JMStV-Tagung der Hessischen Grünen

Am Freitag war ich auf einer Tagung die die Hessischen Grünen organisiert haben. Diese Veranstaltung fand in den Räumen des Hessischen Landtags statt. Thema der Veranstaltung war „Moderner Kinder- und Jugendschutz – Wie geht das?“. Es waren Vertreter aus allen Bereichen dort. Parteien, Aktivisten, Blogger, Lobbyisten, Lehrer, Interessierte die in diesem Bereich tätig sind. Wahrscheinlich hab ich jetzt eh nen paar vergessen. Aber egal.

Die Veranstaltung war in zwei Teile gegliedert: Der erste Teil fand morgens statt und es ging um „Kinder- und Jugendschutz“. Zuerst gab es eine Einführung von Joachim von Gottberg. Er ist Geschäftsführer bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen. Er hat den Teilnehmern kurz erklärt wie das eigentlich mit dem Kinder- und Jugendschutz in der Praxis abläuft. Das ganze dauerte auch nur eine Viertelstunde. Aber er sagte etwas sinniges „Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, Jugendschutz im Internet mit Wegsperren zu realisieren“. Das ist eine der Sachen die Kritiker des JMStVs (Jugendmedienschutz-Staatsvertrag) schon lange auf den Plan brachte.

Direkt im Anschluss dessen, gab es die erste Diskussionsrunde zwischen Friedemann Schindler von Jugendschutz.net und Mr. Topf (Blogger). Bereits in dieser Diskussion zeigte sich: Friedemann Schindler laberte nur Blah und erzählte völligen Bullshit. Die Diskussionsrunde hieß „Pro – Contra: Wen wollen wir wovor schützen und warum?“ Begonnen hat Christian Scholz aka Mr.Topf. Seine Argumente hatte er bereits einen Tag zuvor in seinem Blog veröffentlicht und können auch dort nachgelesen werden. Herr Schindler hat meines Erachtens jede Menge Bullshit gesagt. Stellvertretend sei hier mal folgender Satz genannt: „Kinder passen immer in eine Schublade“ Ja, ne, is klar, Herr Schindler. Das ganze hat er natürlich im Hintergrund der Alterseinstufungen bei Filmen und PC-Spielen gesagt, oder gar Pornos. Kinder sollen nachdem was Herr Schindler so von sich gegeben hat, also sobald sie 18 sind, alles können, alles wissen was sie wissen müssen um in der großen weiten Welt und im großen weiten Internet zu „überleben“. Aber mal ganz ehrlich: Wenn jemand 17 Jahre und 364 Tage alt ist und so etwas bisher nich kannte (was ich schon mal für allzu unwahrscheinlich halte) soll einen Tag später alles wissen? Wie soll das funktionieren?

Die Argumente die Mr. Topf hervorbrachte lest ihr am besten bei ihm nach. Er hatte seinen Vortrag noch etwas ausgebaut und ich musste teilweise lachen. Der Vortrag war echt gelungen. Den Link ist bereits im Absatz oben drüber zu finden. 😉

Nachdem diese Diskussionsrunde beendet wurde, begannen 3 Parallele Workshops. Diese hießen: „Welche technischen Möglichkeiten gibt es für Jugendmedienschutz im digitalen Zeitalter?“, „Bewertung der aktuellen Regelungen: Freiheit vs. Schutz“ und „Die regulierte Selbstregulierung auf dem Prüfstand“. Ich selbst bin in den zweiten Workshop gegangen. Dazu aber gleich. Im ersten Workshop waren 3 Diskutanten: Jörg-Olaf Schäfers von Netzpolitik, er hat auch bereits zu dieser Tagung gebloggt. Dann waren da noch Friedemann Schindler und Otto Vollmers. Was dort gezielt abging, weiß ich nicht direkt. Vielleicht bekomme ich dazu noch mal mehr Infos, aber aktuell ist das leider nicht vorhanden. Im Dritten Workshop waren: Sabine Frank (Geschäftsführerin der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia), Joachim von Gottberg (oben bereits erwähnt) und Folker Hönge (ständiger Vertreter der Obersten Landesjugendbehörde bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft). In den ersten Workshop wollte ich nicht, weil Herr Schindler vorher schon soviel Bullshit gelabert hat. Da hatte ich nicht wirklich Lust, ihn mir noch mal anzuhören. Beim dritten Workshop sahen mir die Teilnehmer zu einheitlich aus. Was anderes als: „Wir sind gut und machen alles richtig“ und „ohne uns gehts nichts“, sowie ähnliche Aussagen, versprach dieser Vortrag also nicht wirklich.

Im zweiten Vortrag waren Alvar Freude (Mitgründer AK Zensur) und Marc Liesching (Rechtsanwalt für Medien- und Jugendschutzrecht) als Diskutanten. Zuerst brachten beide einige Eingangsstatement. Alvar brachte die Frage nach Filtern in den Raum und wie sinnig diese sind.  Herr Liesching zeigte auf was es für ein Bürokratie Overhead ist, wenn es um die erste und letzte Mitteilung an einen Seitenbetreiber geht. Zwischen diesen können häufig zwischen 8 Monaten und 1 1/2 Jahren liegen. Danach ging es auch schnell in die Fragerunde. Ohne jetzt groß alles wiederzugeben (was aufgrund der Fülle auch gar nicht möglich ist so ohne weiteres), gab es einige interessante Aussagen: Die Vorsitzende der FSK sagte z.B. das die FSK sich bereits Selbstüberlebt hat. Interessant ist auch, dass die FSK im Jahr 450 Filme gucken muss. Diese werden dann anschließend eingestuft. Gut Ihre Ausführungen waren auch schon ein halber Vortrag. Aber ein Facepalm Aussage gabs gegen Ende auch wieder. Von einem Herren der Filter absolut befürwortet. Er sagte, dass wir Filter einsetzen müssen. Wir sollten schließlich an die Kinder denken. Dieses Argument ist das absolute Totschlagargument, darauf kann man fast gar nicht mehr sachlich antworten. Kurz darauf war dieser Workshop aus Zeitgründen auch schon wieder beendet. Gregory Engels fragte dann schließlich auch mal beim Herren mit dem Totschlagargument, wen er den vertritt. Tja… es stellte sich heraus, dass dieser Herr Chef einer Firma ist die Filtersoftware vertreibt. Keine weiteren Fragen, hohes Gericht 😉 Danach war Mittagspause.

Nach der Mittagspause wurde die Ergebnisse der ersten Workshops vorgestellt. Danach begann der zweite Teil der Tagung. Es ging jetzt um Medienkompetenz. Die Einführungsdebatte hatte den Titel „Was bedeutet Medienkompetenz und wer braucht sie“. Diskutanten waren Frederike Siller (Geschäftsführerin von fragFinn) und Albert Treber (Institut für Medienpädagogik im Landesfilmdienst RLP). Frau Siller machte solche Aussagen wie: „Wir möchten das Google für Kinder sein“. Alvar Freude stellte dann direkt noch fest, dass 52% aller Benutzer zu Google gehen. Um Google für Kinder zu werden, fehlt also wohl noch etwas. Herr Treber zeigte was er unter Medienkompetenz versteht und das er keinen Sinn an einem eigenen Schulfach sieht. Da dort nicht genug Zeit ist. Er zeigte einige Projekte die er mit Jugendgruppen gemacht hat. Diese Projekte dienten zur Bildung von Medienkompetenz, den „Wir müssen Medien produzieren um sie zu verstehen“. Ganz falsch ist das sicherlich nicht. Dafür muss sich aber in der Schule etwas ändern.

Danach gab es wieder 3 Parallele Workshops: „Erfahrungen und Beispiele: Medienkomptenz in Vorschule und Schule und der freien Jugendbildung“, „Perspektiven: Wie kann eine kontinuierliche Evaluierung und Weiterentwicklung des Jugendmedienschutzes aussehen“ und zu guter letzt „Was kann Landespolitik tun, um Medienkomptenz zu fördern?“ Was in den ersten beiden Workshops genau erzählt wurde, kann ich nicht sagen. Ich habe Workshop Nummer 3 besucht. Aber im zweiten Workshop soll wohl ein Handy für 9-Jährige gefordert worden sein. In welchem zusammenhang, kann ich allerdings nicht sagen. Im dritten Workshop waren Mechthild Appelhoff (Landesanstalt für Medien in NRW) und Annette Schriefers (Leiterin Jugendschutz der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neuer Medien). Der Titel versprach spannend zu werden. Allerdings kam es anderst. Beide Referentinnen haben jeweils ne gute halbe Stunde nen Vortrag runtergebetet, der zwar ein paar gute Ansatzpunkte beinhaltete, was das Land tun kann, aber im Großen und Ganzen nur Selbstbeweihräucherung war (eine von den beiden war im übrigen ENT-SETZT, dass man am morgen noch die Grundsatzdebatte führte. Aber ich hab eigentlich nichts anderes erwartet). Wie gut wir doch sind und was wir nich alles machen. Irgendwann kam dann natürlich auch das Argument Geld ins Spiel. Worauf ich dann schließlich einwarf, dass ich das Geld Argument in Hessen nicht gelten lasse. Schließlich wurde im Hochschulpakt eine 30 Millionen Kürzung der Hessischen Hochschulen beschlossen und wenig später bekommt eine Private Elite-Uni 70 Millionen von Stadt und Land in den Hintern geschoben. Aber über die EBS hab ich mich ja schon öfter ausgelassen.

Letztendlich gab es allerdings einen breiten Konsens in diesem Workshop das die Lehrer besser ausgebildet werden sollten. Mr. Topf hat dazu 3 schöne Tweets abgeschickt. Darüber hinaus sollte eine bessere Vernetzung mit Gruppen und Schulen Vorort stattfinden. Kurz darauf war der Workshop auch schon wieder beendet. Danach wurden nur noch die Ergebnisse aus den Workshops vorgestellt, ein kurzer Ausblick erzählt wie es wohl weiter geht und dann war auch schon Schluss.

Mein Fazit dazu: Interessante Tagung, teilweise ein paar Erkenntnisse bekommen, teilweise gelangweilt. Auf jeden fall ein paar nette Leute kennen gelernt und Ideen gesammelt, die ich hoffentlich in den nächsten Wochen aufgreifen kann. Dazu werde ich dann aber wohl noch mal explizit drüber Bloggen, wenn es soweit ist. Der Text hier is schon lange genug. 😀 Außerdem ist das ganze noch nicht sehr ausgearbeitet.

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